Flourishing

Flourishing refers to the experience of life going well. It is a combination of feeling good and functioning effectively. (Huppert & So, 2013)

 

Warum brauchen wir Flourishing?

#1 Weil wir noch immer die Folgen der COVID-Pandemie spüren. Insbesondere die soziale Isolation hat bei vielen (mir eingeschlossen) mental ihre Spuren hinterlassen.

#2 Weil Studien zeigen, dass Flourishing-Mechanismen während der Pandemie (zB körperliche Aktivität und positive Denkmuster) geholfen haben.

#3 Weil auch nach der Krise ein erfülltes Leben möglich ist, wenn wir flourishen.

 

Was ist Flourishing konkret?

Wie jedes psychologische Konzept lässt sich auch Flourishing auf verschiedene Weise definieren - hier nutze ich die Definition nach Keyes (2002).

 

Keyes sieht Flourishing als Zusammenspiel aus zwei Arten des Wohlbefindens: hedonischem und eudaimonischem Wohlbefinden.

 

Hedonisches Wohlbefinden 
Wenn man von Glück spricht, meint man oft sich gut fühlen, angenehme Emotionen erleben und die allgemeine Zufriedenheit mit dem Leben. Genau das ist das hedonische Wohlbefinden, oft auch mit emotionalem Wohlbefinden gleichgesetzt. Wir erleben es, indem wir guten Essen genießen.

Eudaimonisches Wohlbefinden
Da Freude und Vergnügen zu erleben, aber noch nicht heisst, dass es mir auch "psychisch gut" geht, beschäftigt sich die Forschung zunehmend auch noch mit dem eudaimonischen Wohlbefinden. Es wird auch als psychisches Wohlbefinden bezeichnet und setzt sich nach Ryff (1989) aus Selbstakzeptanz, Persönlichkeitsentwicklung, Beziehungen zu Anderen, Autonomie, Alltagsbewältigung und Lebenszielen zusammen. Wir erleben es, indem wir anderen Menschen helfen, demnach spielt hier auch soziales Wohlbefinden eine große Rolle.

 

In meiner Definition lautet es also in etwa so: 

Flourishing ist kein Zustand, sondern eine Reise. Nach Keyes (2005) beinhaltet diese Reise psychische Gesundheit (Wegbleiben von mentaler Krankheit) und optimales Wohlbefinden (ein Zusammenspiel aus hedonischem und eudaimonischem Wohlbefinden).

  

Wie können wir flourishen?

Flourishing ist eine Reise und die Reise ist das Ziel. Ich schlage vor die Reise in drei Cluster aufzuteilen, um sie konkreter gestalten zu können. 

Ich schaue dabei auf den Körper, den Geist und die Emotionen.

 

Unser Körper ist viel mehr als nur die Fleisch-Hülle, die uns durch die Welt trägt - er bildet die Grundlage für unsere Gesundheit. Diese körperliche Gesundheit ist der Grundbaustein für die Flourishing-Reise und bildet damit also den ersten Schritt. Ich spreche hier von einem Check-Up beim Arzt, ich spreche aber auch auf die kontinuierliche individuelle Optimierung von Schlaf, Ernährung und Bewegung.

Wie genau diese Optimierung erfolgt, wird im Individuellen entwickelt. An dieser Stelle gibt es also keine allgemeinen "Body-Hacks", denn ein Glück ist jeder Körper anders.

  

Mit dem Geist ist vor allem unser Mindset gemeint. Vorstellen kann man sich das Mindset als eine mentale Linse, durch die ich die Welt sehe. Diese Linse prägt, wie ich meine Erfahrungen interpretieren, wie ich mit Herausforderungen umgehe und wie ich letztendlich auch Entscheidungen treffe.

Die Forschung des Stanford-Psychologin Dr. Carol Dweck bringt die faszinierenden Konzepte von dem fixed mindset und growth mindset näher, die ich hier nochmal kurz zusammenfasse:

Menschen mit einem fixed mindset glauben eher, dass ihre Intelligenz, ihre Talente und Fähigkeiten in Stein gemeißelt sind und neigen vielleicht aus dem Grund dazu, Herausforderungen zu vermeiden. Sie befürchten, dass das mögliche Scheitern ihre wahrgenommenen Unzulänglichkeiten aufdecken wird. 

Auf der anderen Seite sehen Menschen mit einem growth mindset ihre Fähigkeiten als formbar. Sie nehmen Herausforderungen an und sehen diese eher als Möglichkeiten, zu lernen und zu wachsen. Ein Scheitern versorgt sie eher mit mehr Energie - sie würden also weiter klettern, egal wie steil der Berg ist.

Das Trainieren eines growth mindset spielt also eine enorme Rolle auf unserer Flourishing-Reise, denn es wird Herausforderungen geben. Wie genau das Training erfolgt, werde ich nochmal in Form eines Videos oder einer schriftlichen Ressource zur Verfügung stellen. 

  

Kommen wir nun zu unseren EmotionenFlourishing entsteht, wenn "Positivität", also angenehme Emotionen, gegenüber "Negativität", also unangenehmen Emotionen, deutlich vorherrscht. Die Wissenschaft zeigt, dass eine gute Balance hier besonders wichtig ist. 

Nach Fredrickson (1998) erweitern Freude, Interesse, Zufriedenheit oder Liebe bei Menschen den Wahrnehmungsfokus und helfen ihnen durch das bewusste Erleben von angenehmen Kleinigkeiten, die beider täglichen Arbeit passieren, Wissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten aufzubauen. Sie schlägt ein Verhältnis von mindestens 3:1 von angenehmen zu unangenehmen Emotionen vor, um eine Basis für das Flourishing zu setzen.

Wie erreichen wir also diese Balance? Ich benutze im Coaching und Training folgenden Kreislauf: 

 

Unsere Emotionen zeigen sich zuerst immer in unserem Körper - sei es die Mimik, die Körperhaltung oder aber auch die Atmung. Dies geschieht unbewusst und daher ist der erste Schritt, Emotionen erkennen zu lernen und auf Körper-Signale zu hören.
 
 
Zum Flourishing gehört aber auch eine Erhöhung unserer emotionalen Granularität dazu. Das bedeutet vereinfacht, dass wir lernen, Emotionen zu unterscheiden, denn Angst kann so Vieles bedeuten. Der zweite Schritt ist demnach Verstehen, wobei es sich hier konkret handelt - ist es die Angst, zu Versagen oder die Angst, auf der Bühne auszurutschen und sich zu verletzen?
 
Wir wissen nun, dass die Balance wichtig ist und somit also auch die unangenehmen Emotionen zugelassen werden müssen. Ärger, Angst, Scham, Schuld, Trauer und Co. haben also nicht nur eine Daseinsberechtigung, sondern sind äußerst wichtig. Jede Emotion hat eine Botschaft, wir müssen nur hinhören.
 
Manchmal können wir uns nicht unkontrolliert ärgern, vielleicht lässt es der Kontext nicht oder nur schwer zu, daher ist es sinnvoll einige Regulierungstechniken zu kennen und bildet den letzten Schritt in diesem Kreislauf.
 
 

Wozu flourishen?

Dein Wozu kann ich dir nicht beantworten. Mein Wozu lautet:

Um erfüllt zu leben und mein vollstes Potential auszuschöpfen. Flourishing ist eine Entscheidung, die ich jeden Tag treffe.

 

Weitere Antworten könnten also sein:

Um langfristig gesund zu sein.
Um langfristig glücklich zu sein.
Um sich seiner Werte, seiner Bedürfnisse und seines Sinnes bewusst zu sein und gezielt darauf hinzuarbeiten.
Um das meiste aus dem einen Leben herauszuholen, das wir haben.
Um die Reise in vollen Zügen zu genießen.

 

It‘s the journey, not the destination.
Every destination is just the beginning of another journey.